Tschüss GNOME! oder Warum Ubuntu schon immer alles anders gemacht hat

27. Oktober 2010

Ubuntu wird als Oberfläche künftig nicht mehr GNOME, sondern die Eigenentwicklung “Unity” einsetzen – diese Nachricht schlug in der Linuxwelt und darüber hinaus wie eine Bombe ein. Im Nachhinein betrachtet nimmt sich dagegen der Katzenjammer, als die Fenster-Buttons in Ubuntu 10.04 nach links wanderten, recht lächerlich aus.

Ubuntulogo im Pacman-Stil jagt das GNOME-Logo

Das wirklich Schöne an Ubuntu ist, dass es nie langweilig wird. Früher oder später kommt wieder ein kleinerer oder größerer Umbruch, der mit alten Gewohnheiten bricht. Das Brechen von Gewohnheiten war von Beginn an Teil der Philosophie Ubuntus. Kaum eine andere Distribution hat sich so konsequent getraut, alles anders zu machen als die anderen.

Statt auf das damals funktionell überlegene KDE 3 zu setzen, wurde GNOME als Standarddesktop gewählt, anstelle der typischen Computerfarben Blau und Grau kam braun-orange zum Einsatz, in jüngster Zeit wanderten die Fenster-Buttons von rechts nach links, Violett und Orange wurden die bestimmenden Farben. Es gab nie eine Trennung in Privat- und Unternehmensdistribution, dafür offizielle Derivate (Kubuntu, Xubuntu, Edubuntu), ausgerichtet nach verschiedenen Oberflächen und auf unterschiedliche Einsatzzwecke.

“Anders machen” ist bei Ubuntu also Prinzip und vielleicht sogar das Geheimnis seines Erfolges. Ubuntu traut sich weiterhin, “etwas anders zu machen”. Nichts anderes kann man daher von Mark Shuttleworth und Canonical erwarten – dass immer wieder Änderungen ins Haus stehen, mit denen keiner gerechnet hat oder die zunächst nicht populär sind.

Paradoxerweise hat sich Ubuntu mit diesem Prinzip zur populärsten Linuxdistribution entwickelt. Doch ausgerechnet das will Ubuntu gar nicht sein: Ubuntu hat stets Wert darauf gelegt, als “Ubuntu” aufzutreten, nicht etwa als “Ubuntu-Linux”.


Auf der gesamten Startseite der Webpräsenz von Ubuntu taucht nicht ein einziges Mal das Wörtchen Linux auf

Da erscheint es folgerichtig, dass sich Ubuntu noch weiter von den übrigen Distributionen entfernt und konsequenter auf Eigenentwicklungen setzt. Zumindest oberflächlich wird Ubuntu mit dem Einsatz von Unity zu etwas sehr Eigenständigem werden, denn dass andere Distributionen ebenfalls Unity verwenden werden, darf bezweifelt werden. Fedora/Red Hat ist stark in die Gnome-Shell-Entwicklung involviert, Opensuse/Novell setzt bei Gnome traditionell auf das SLAB-Menü (das GNOME Main Menu) – und Debian lässt dem Nutzer sowieso die Wahl.

Auch wer Kontinuität erwartet, ist bei Ubuntu an der falschen Adresse, Ubuntu war stets experimentier- und wechselfreudig. Kontinuität kam allein durch den Umstand, dass sich der als Nutzerschnittstelle verwendete GNOME-Desktop an sich relativ langsam und kontinuierlich weiterentwickelte.

Für das GNOME-Projekt bedeutet dies einen Schuss vor den Bug, wenn eine der wichtigsten Distributionen sich von dem Desktop und seinen (geplanten) Konzepten lossagt. GNOME, das gerade Ubuntu einen beträchtlichen Verbreitungsgrad verdankt, wird dadurch faktisch abgewertet.

Interessant ist vor allem auch manche Reaktion der Nutzergemeinschaft auf die Pläne Ubuntus. Bislang wurde GNOME – trotz mancher Schwächen – auf Biegen und Brechen verteidigt. Schließlich war es ja die Oberfläche von Ubuntu. Nun, da Ubuntu sich neuorientiert, ist GNOME auf einmal schon immer “veraltet, unflexibel, schlecht, augenkrebsverursachend, Schrott” gewesen. Fähnchen, Wind.

Eingefleischte GNOMEler dürften dennoch enttäuscht sein, dass “ihr” Desktop in “ihrer” Distri in Zukunft nur noch in der zweiten Reihe sitzen wird. Mit Sicherheit wird man den GNOME-Desktop noch parallel installieren können, vielleicht wird es sogar ein “Gubuntu” geben, wie viele spekulieren, doch der Standard wird es nicht mehr sein. Ein kleiner Trost ist, dass es das bisherige GNOME, wie man es kennt, mit dem kommenden GNOME 3 und der “GNOME-Shell” sowieso nicht mehr geben wird.

Allerdings stellt sich dann die Frage, wieso man noch zu Ubuntu greifen sollte, wenn man ohnehin lieber ein Original-GNOME einsetzen möchte. Hier zeigt sich nun die Stärke von Linux, nämlich seine Vielfalt. Macht eine Distribution Murks bzw. ist man mit der eingeschlagenen Richtung nicht mehr zufrieden, stehen einem Wechsel keine großen Hürden im Weg; die nächste Distribution wartet schon darauf, ausprobiert zu werden. Der Nutzer kann ohne große Schwierigkeiten ein “anderes Linux” nutzen, er muss sich weder stark umgewöhnen noch umlernen. GNOME, KDE oder was auch immer stehen bei den größeren Distributionen überall in ähnlicher Form bereit und auch bei der Systemverwaltung des eigentlichen Linux unterscheiden sich die Werkzeuge nicht großartig voneinander. Wer bisher mit Ubuntu zurechtkam, schafft auch problemlos den Umgang mit einem “Suse”, “Fedora” oder einer anderen der verbreiteteren Distributionen. Denn trotz poliertem Design und großer Fangemeinde – ein Ubuntu ist im Kern eben auch nur ein gewöhnliches Linux.

Bestimmt wird es Ubuntu mit Unity gelingen, wieder viele neue Nutzer für sich – und damit auch für Linux – zu begeistern. Doch ob auch die bisherige _Comm_unity diesen Schritt mitgeht, wird die Zeit zeigen.


aus der Kategorie: / Tratsch / Distributionen

---

Kommentare

Also, erstens verwendet Ubuntu auch weiterhin Gnome, und zweitens muss die bisherigen Community auch ohne Ubuntu mit einem völlig anderen Desktop zurechtkommen. Gnome Shell ist mindestens ein so großer Schritt wie Unity. Ob Unity nicht sogar mehr vom Gewohnten erhält als Gnome 3 ist bislang noch völlig offen. Das Schöne ist allerdings, dass es dann eine Alternative dazu gibt, einfach weiter auf dem Stand von 2010 zu bleiben.

— Lorag · 27. Oktober 2010, 00:38

Also, erstens verwendet Ubuntu auch weiterhin Gnome

Richtig, unter der Haube bleiben die einzelnen GNOME-Programme der Hauptbestandteil von Ubuntu, nur die Oberfläche (also der Desktop-Desktop sozusagen) wechselt eben. Deswegen steht da ja auch gleich in der ersten Zeile “Ubuntu wird als Oberfläche künftig nicht mehr GNOME…” ;-) Hätte ich deutlicher machen können, pardon.

und zweitens muss die bisherigen Community auch ohne Ubuntu mit einem völlig anderen Desktop zurechtkommen

=> “Ein kleiner Trost ist, (…)”

Ob Unity nicht sogar mehr vom Gewohnten erhält als Gnome 3 ist bislang noch völlig offen.
Das dürfte der Knackpunkt an der ganzen Geschichte sein. Schon vor kurzem hatte Shuttleworth ja bereits verlautbaren lassen, dass Ubuntu die Umstellung auf die GNOME-Shell nicht mitmachen wird (natürlich, ohne zu diesem Zeitpunkt Unity als Alternative zu benennen, da gingen alle noch davon aus, dass Ubuntu einfach beim klassischen GNOME-Panel bleiben würde). Der Einsatz eines weiterentwickelten Unity könnte daher durchaus die perfekte Möglichkeit sein, dem GNOME-Desktop einen moderneren Anstrich zu verpassen, ohne jedoch mit dem klassischem Konzept (Panel, Starter, usw…) völlig zu brechen. Bin jedenfalls sehr gespannt, wie das ganze am Ende dann tatsächlich aussehen wird.

Pinguinzubehör · 27. Oktober 2010, 01:06

Gnome wurde aufgrund seiner Stabilität damals KDE vorgezogen. Gnome war immer deutlich konservativer als KDE und da man damals noch Unternehmen Linux als Lizenzfreie Arbeitsstationen schmackhaft machen wollte, lag der Fokus klar auf Stabilität. Niemand will an Produktiv-Systemen herumfrickeln.
Durch die Erfolge von Linux in den letzten Jahren, wird zunehmend der Desktop der Privatanwendern zunehmen interessanter. Auch weil man Linux an sich populärer machen möchte.
Nun hat sich allerdings gerade im Bereich der “User-Experience” sehr viel getan. Apple hat da mit MacOSX so kräftig vorgelegt, dass sich sogar Microsoft mit Windows 7 anpassen musste. (Angeblich haben die Win7 Entwickler gesagt bekommen, kopiert wo Ihr könnt die User-Exp. von MacOSX)
Die Allgemeinheit der Menschen steht da scheinbar drauf.
Hier kommt Gnome sein konservatives Vorgehen allerdings teuer zu stehen.
Zu wenig Effekte – zu wenig Fortschritt im Bereich der User-Exp. – zu wenig Eye-Candy. Gerade das, womit die anderen punkten. Es spalten sich sogar Forks von populären Gnome Programmen (nautilus-elementary)
Ubuntu versucht jetzt den Spagat zwischen neuem “coolem” Interface und Stabilität. Deswegen Gnome und GTK weiterhin als Programmbasis – Allerdings wird auf den in die Jahre gekommenen Desktop verzichtet. Und Gnome 3 ist – wie auch das Verschieben des Release Termins belegt – noch nicht in dem Zustand, dass es produktiv genutzt werden kann. Jedenfalls nicht von Normalanwendern die schon an kleinen Fehlern verzweifeln.
Auf der anderen Seite ist wohl jetzt die Zeit gekommen, den Linux-Desktop attraktiver zu machen. Nicht erst in 2 Jahren, wenn Gnome 3 wirklich so weit ist.
Und für uns Nerds ändert sich eigentlich nichts. Dir gefällt Unity nicht. Ein simples apt-get ändert das sehr schnell.
Für Ubuntu ist nur wichtig, dass gerade die Menschen die sich vielleicht zum ersten Mal mit Linux auseinander setzen den totalen Ah-Ha Effekt haben, eben ohne daran herumdoktern zu müssen.

— loki · 27. Oktober 2010, 01:33

>> Auf der gesamten Startseite der Webpräsenz von Ubuntu taucht nicht ein einziges Mal das Wörtchen Linux auf

Ok, in deinem Browser taucht auch kein einziges mal freie Software auf!

— opera · 27. Oktober 2010, 01:45

Für Ubuntu ist nur wichtig, dass gerade die Menschen die sich vielleicht zum ersten Mal mit Linux auseinander setzen den totalen Ah-Ha Effekt haben, eben ohne daran herumdoktern zu müssen.

Ich denke, das kann man so stehenlassen. Allenfalls noch in Stein meißeln.

Das Beeindruckende ist allerdings auch, dass Ubuntu diesen Aha-Effekt in der Vergangenheit bereits hervorgerufen hat – eben mit dem, vorsichtig ausgedrückt, langweiligen GNOME. Allein dadurch, weil das Gesamtpaket, die Komposition, einfach stimmte.

Aber es ist natürlich richtig, die Zeiten haben sich geändert; die Messlatte liegt nun auf einer ganz anderen Höhe, wenn sich Ubuntu nicht mehr mit XP, sondern Win7 vergleichen lassen muss.

Pinguinzubehör · 27. Oktober 2010, 01:47

Auf der gesamten Startseite der Webpräsenz von Ubuntu taucht nicht ein einziges Mal das Wörtchen Linux auf

Linux ist ja auch nur ein Kernel. Wer weiß, vielleicht wird Ubuntu in 5 Jahren auf „Debian GNU/kFreeBSD“ aufbauen. Oder ein Debian und ein Solaris-Kernel, wie bei Nexenta.

pluvo · 27. Oktober 2010, 03:02

Schön, der erste objektive Artikel, den ich zu diesem Thema lese.

Für alle Gnomeliebhaber wird es ja weiterhin gnome-core geben und ansonsten einfach mal abwarten und ausprobieren. Oder XFCE nutzen. :)

— stfischr · 27. Oktober 2010, 08:46

Schöner Artikel. “Katzenjammer” trifft es ganz gut ;)

Aber als ich zum ersten mal auf OMG Ubuntu gelesen hab, dass Unity auf den Desktop soll, war mir klar, was kommen muss.

burli · 27. Oktober 2010, 12:21

Ich bin absolute Anfängerin was Linux angeht. Arbeite mit Ubuntu erst seit 2 Wochen – und bin begeistert!

Ich habe vor vielen Jahren mal Suse ausprobiert. Bin da mit KDE nicht wirklich warm geworden. Alles was nach Windows XP kam, sagte mir aber auch nicht mehr wirklich zu. Habe lange überlegt und nicht zuletzt waren es die Artikel auf diesen Seiten, die mich dazu brachten, es noch einmal und diesmal mit Ubuntu zu versuchen.

Ich bin sehbehindert und darum darauf angewiesen, dass ich die Oberfläche was die Farben angeht, meinen Bedürfnissen anpassen kann. Nirgends hat das so gut geklappt, wie bei Ubuntu. Ich hab mich mit Hilfe meiner Freunde schneller in GNOME zurechtgefunden, als ich das für möglich gehalten hätte. Ich persönlich würds nicht wieder hergeben. :)

Den Fenster-Button-Streit hab ich im Vorfeld mitbekommen und kann ihn irgendwie nicht verstehen, mir gehts eher so, dass ich die Knöpfe auf der falschen Seite suche, wenn ich an Windows arbeiten muss. :-D

Ob man sich unbedingt mit Windows 7 messen muss.. ich weiß ja nicht.. mich hat es nicht überzeugt, allerdings kenne ich vor allem die Starter-Edition für Netbooks.

Ob ich mit Unity auch so schnell warm werde? Keine Ahnung. Es wird wohl davon abhängen, wie sehbehindertenfreundlich das wird. Ich bin jedenfalls gespannt drauf, denn, wenn ich einen Wechsel erfolgreich gemeistert habe, schaffe ich auch den nächsten. :) Und wenn nicht.. wird halt der nächste Desktop ausprobiert. Ubuntu bleibe ich auf jeden Fall treu. :)

— löwente · 27. Oktober 2010, 12:38

Zwei Sachen:

1. Wichtiger ist IMHO, dass GTK der Unterbau von Ubuntu bleibt, d.h. die Progs ändern sich nicht. Ob dadrüber jetzt der aktuelle GNOME Desktop, GNOME Shell 3.0 oder Unity liegt ist mir selber total egal. Der Desktop ist doch nur Mittel zum Zweck.

2. “Wer bisher mit Ubuntu zurechtkam, schafft auch problemlos den Umgang mit einem “Suse”, “Fedora” oder einer anderen der verbreiteteren Distributionen.”
Nee, stimmt IMHO nicht. Weil: es macht schon einen ziemlichen Unterschied, ob du eine .deb-basierte oder .rpm-basierte Paketverwaltung hast.

Gruß, noisefloor

— noisefloor · 27. Oktober 2010, 13:02

Wie im Artikel geschrieben wird, das schöne ist, man muß nicht.

Ubuntu hat mich mit der verfrühten Einführung von KDE4 eh zu debian getrieben, jetzt kann ich ganz entspannt zusehen, ab welchem Ubuntu Release ubidings ordentlich funktioniert (oder ob überhaupt), und es dann mal ausprobieren.

Ich finde es gut, das dank Ubuntu für neue Software jetzt immer so großangelegten alpha test stattfinden, für mich ist das aber nichts, ich mag es wenn mein Computer mal länger als 6 Monate funktioniert.

tuiki · 27. Oktober 2010, 14:11

Der Artikel liest sich gut, ist aber viel zu aufreißerisch geschrieben. Vorallem, weil Ubuntu weitererhin Gnome verwenden wird. Es wird Gtk als Unterbau benutzt, es werden weiterhin die üblichen Gnome Standardanwendungen integriert, die Performance wird für Gnome optimiert. Ubuntu ist und bleibt eine Gnome Distribution, wurde so wortwörtlich von Mr. Shuttleworth gesagt. Selbst Gnome 3.0 Projekte wie Zeitgeist sollen einen Weg in Unity finden.

Das Einzige, was sich signifikant ändern wird, ist die Verwendung der Unity Shell statt der Gnome Shell. Dennoch ist Unitiy eine Shell FÜR Gnome. Unitiy lässt sich unter KDE oder wo auch immer nicht verwenden, nur unter Gnome.

Zu sagen

“Ubuntu wird als Oberfläche künftig nicht mehr GNOME, sondern die Eigenentwicklung “Unity” einsetzen”

macht einfach keinen Sinn. Selbst Gnome 3.0 wird auf älteren Rechner ohne Gnome Shell installiert. Wäre das dann auch kein Gnome mehr? Gnome 3.0 ohne Gnome Shell = kein Gnome?

— Grummler · 27. Oktober 2010, 16:02

Schön geschrieben.
Schön ist, das die “shell” durch “Unity” Konkurrenz oder besser eine Alternative erhält.
Also Who cares?
Momentan fahre ich auch gerade Ubuntu. Wenn ich mal wieder einen aktuelleren Pc/Laptop habe, wirds bestimmt wieder Debian. Und auch hier: who cares?
Die Wahlmöglichkeit ist ja gerade das Gute an Linux und der freien Software

bed · 27. Oktober 2010, 18:16

Sehr guter Artikel – danke dafür.

Ich bin seit Jahren bei Ubuntu und noch länger Gnome User. Gnome gefällt mir eibfach durch durch das “einfache”. Es ist nicht so verspielt wie andere und man kann es mit ein paar echt guten Themes zu einem wahnsinnig schönen und produktiven Desktop pimpen.

Ob die Entscheidung von Canonical so gut gewählt ist wird sich zeigen. Ich persönlich warte und schau mir das ganze mal an. Wenn es mir gefällt ist gut, ansonsten wieder Debian – aber auf jeden Fall eine .deb Distribution ;-)

Ronny · 27. Oktober 2010, 19:52

Der Nutzer kann ohne große Schwierigkeiten ein “anderes Linux” nutzen, er muss sich weder stark umgewöhnen noch umlernen. GNOME, KDE oder was auch immer stehen bei den größeren Distributionen überall in ähnlicher Form bereit und auch bei der Systemverwaltung des eigentlichen Linux unterscheiden sich die Werkzeuge nicht großartig voneinander.

Und genau das ist das Problem:

Paketmanager sind nicht anwenderfreundlich!!!

Wenn normale Menschen, die den ganzen Tag am Computer arbeiten, nicht auf Anhieb in der Lage sind ein zentrales Tool wie den Paketmanager zu bedienen, ist es unbrauchbar (jedenfalls für die meisten Menschen) – Ubuntu hat dies begriffen → Software Center.

Die Entscheidung einen eigenen WM zu benutzten kann ich verstehen:

- Da GNOME zu konservativ ist

- sie die ganze Zeit auf Ubuntu rumhacken

- sie auf die Verbesserungsvorschläge nicht eingehen

————
Ubuntu begeistert, das macht andere neidisch.
Das Ubuntu-Konzept ist so einfach wie genial:
sie gehen auf die (normale) Menschen zu.

— Paradiesstaub · 27. Oktober 2010, 20:46

Erst einmal die Kritik am Artikel:
“alles anders machen” – wo den wirklich? Zu Beginn GNOME statt KDE zu nehmen ist für mich nicht “alles anders machen”. Was nutzten denn die größten Distributionen zur Geburtsstunde von Ubuntu? Suse und Mandravia: KDE; Debian und RedHat/Fedora: Gnome. Da hat man sich bei Ubuntu ja ganz weit aus dem Fenster gelehnt, als man GNOME aussuchte. Das sie dann Erdtöne statt “blau-grau” aussuchten ist wohl noch die größte “Innovation” gewesen, farbpsychologisch aber natürlich nicht die beste Wahl, denn das ist und bleibt Blau. Da ist das jetzige Violett auch viel näher dran.
Die Buttons auf die linke Seite wandern zu lassen ist nur ein Merkmal, durch das sich Ubuntu eine Identität aufbaut. Und DAS ist es, weswegen eventuell auch Unity genutzt werden wird.
Man versucht sich vom Linux-Image abzusetzen, denn Linux ist etwas für Fachleute und zu kompliziert. Ubuntu dagegen, ja das kann man nutzen. Das ist für “human-beings”. Das Wort “Linux” wird da deshalb tunlichst vermieden und eher “Free” aus “free beer” als das aus “freedom” betont. Selbst beim Stichwort “open source” kommt KEINE Referenz auf Linux oder Debian und versucht Analogien zu anderen erfolgreichen Produkten herzustellen (vornehmlich Apple-Produkte, da die einen “guten Ruf” haben).
“Anders machen” ist nicht das Geheimnis des Erfolges, denn sie machten bisher ja kaum etwas anders, sondern stellten nur die Software anders zusammen als andere Distributionen, denn Eigenentwicklungen gab es bisher ja nicht wirklich. Und da hatte man bisher recht, wenn man “nichts anderes [erwartet]”, da ist der Schritt zu Unitiy hin jetzt schon etwas überraschend.
Und was heißt “experimentier- und wechselfreudig” eigentlich für Anwender? Das es wahrscheinlicher ist, dass nicht so gut getestete Software genutzt wird und man sich dauernd Softwaremäßig umstellen muss (was natürlich nicht zu 100% zutrifft, da 1. LTS-Versionen eigentlich nur stabile Software einsetzen sollten und 2. bereits installierte Software bei einem Upgrade ja nicht deinstalliert wird). Es existieren noch weitere Nachteile, z.B. im Supportbereich. Ich würde das also nicht als durchweg positiv darstellen.

So, nun zum Schritt zu Unitiy: Mutig, gewagt und potentiell desaströs. Man kann sich den guten Ruf nämlich ganz schnell zerstören, den man aufgebaut hat, wenn man einen sehr wichtigen Teil mit unausgegorener Software besetzt. Außerdem werden bereits bestehende Nutzer eventuell vor den Kopf gestoßen, und das viel stärker als mit dem Wechsel der Buttons auf die andere Seite. Falls es funktionieren sollte, dann passt gut in’s Konzept der einfacheren Bedienbarkeit und trägt sehr dazu bei, dass man Ubuntu als solches Identifizieren kann. Dennoch muss man sich sehr anstrengen, um mit den begrenzten Ressourcen und Erfahrungen in dem Bereich etwas funktionierendes auf die Beine zu stellen, dass die Nutzer lieben. Ich bin skeptisch, aber gespannt und hoffe das Beste.

— cp · 27. Oktober 2010, 21:51

Wichtiger ist IMHO, dass GTK der Unterbau von Ubuntu bleibt

Davon kann man ausgehen, denn sonst müsste Ubuntu ja alle bisher genutzten Programme auf ein anderes Toolkit portieren oder eben andere Programme nutzen. Und wozu sollte Ubuntu das auch tun? Und selbst wenn: Den Aufwand traue ich Canonical – bei aller Liebe – nun wirklich nicht zu. Eher wechselt Ubuntu zu KDE. :)

es macht schon einen ziemlichen Unterschied, ob du eine .deb-basierte oder .rpm-basierte Paketverwaltung hast.

Eigentlich nicht. Als Fortgeschrittener hat man die abweichenden Kommandos schnell verinnerlicht und als Anfänger nutzt man ohnehin die graphischen Paketverwaltungen, bei denen man weder DEB- noch RPM-Pakete zu Gesicht bekommt. Oder?

Pinguinzubehör · 27. Oktober 2010, 22:53

Zu sagen “Ubuntu wird als Oberfläche künftig nicht mehr GNOME, sondern die Eigenentwicklung “Unity” einsetzen” macht einfach keinen Sinn.

Das kommt darauf an, was man unter Oberfläche versteht. Oberfläche kann man einmal als Synonym für den gesamten Desktop inklusive Anwendungsprogrammen sehen (also das komplette UI), oder, im engeren Sinne, als das, womit der Nutzer unmittelbar in Berührung kommt, wenn er den Rechner hochfährt – also, das, was wir hier jetzt immer “Shell” nennen. Im Artikel ist mit “Oberfläche” letzteres gemeint, das gesamte UI wird an dieser Stelle als “Desktop” bezeichnet.
Die Überschrift ist absichtlich reißerisch-doppeldeutig, das gebe ich gerne zu, aber der Text sollte deutlich machen, was gemeint ist; vor allem, da der erste Link zu einem ausführlichen Bericht mit den Details führt.

Selbst Gnome 3.0 wird auf älteren Rechner ohne Gnome Shell installiert. Wäre das dann auch kein Gnome mehr? Gnome 3.0 ohne Gnome Shell = kein Gnome?

In dem Zusammenhang hier wäre GNOME dann kein GNOME mehr, wenn es weder mit GNOME-Shell noch mit dem klassischen Panel erscheinen würde. Ein GNOME, das nur aus den einzelnen Anwendungsprogrammen bestünde, wäre für mich dann keine GNOME-Oberfläche mehr.

Pinguinzubehör · 27. Oktober 2010, 23:22

Ubuntu begeistert, das macht andere neidisch. Das Ubuntu-Konzept ist so einfach wie genial: sie gehen auf die (normale) Menschen zu.

Letztlich ist das aber auch nur Marketing. Das “Konzept” von Ubuntu besteht aus einem Image (gemeint ist hier nicht das CD-Image, sondern der Ruf), ein paar schicken Icons und einem stylischen Hintergrundbild und GNOME sowie ein paar Programmen als Vorauswahl. Ansonsten ist es quasi ein Debian. Das ehemalige Image “Linux for human beings” wurde ja aufgegeben, inzwischen will man mit “Leichtigkeit” und “Licht” assoziiert werden. Auch Suse, Fedora, usw. wollen von Menschen benutzt werden, nicht von Robotern. Aber – und das ist richtig – Ubuntu macht Marketing für den “normalen” Menschen, nicht für die Nerds und Techniker unter uns. Ubuntu hat den Eindruck verändert, den viele Nicht-Linuxer bekommen, so dass viele Interessierte mittlerweile gedacht haben: “das sieht gut aus, das traue ich mir zu, das will ich auch haben”. Ubuntu hat viel für die Desktop-Wahrnehmung von Linux getan, da sind wir uns glaube ich alle einig.

Pinguinzubehör · 28. Oktober 2010, 00:02

Was nutzten denn die größten Distributionen zur Geburtsstunde von Ubuntu? Suse und Mandravia: KDE; Debian und RedHat/Fedora: Gnome. Da hat man sich bei Ubuntu ja ganz weit aus dem Fenster gelehnt, als man GNOME aussuchte.

Im Grunde hat man das schon, denn alle Distributionen, die sich explizit an den Desktop-User richteten, setzten zu dieser Zeit auf KDE. SuSE und Mandrake/Mandriva waren auf den normalen Nutzer fokussiert, nicht auf Server-, Firmen- oder Universalbetrieb (was natürlich auch ging). Da Ubuntu von Anfang an “Linux für Menschen” sein wollte, kann die Entscheidung für GNOME durchaus als Gegenteil dessen angesehen werden, was jeder andere, der ein Desktop-Linux neu aufbaut, getan hätte.

“Anders machen” ist nicht das Geheimnis des Erfolges, denn sie machten bisher ja kaum etwas anders, sondern stellten nur die Software anders zusammen als andere

Auch ein bisschen anders machen ist eben ein Andersmachen. ;)

Man kann sich den guten Ruf nämlich ganz schnell zerstören, den man aufgebaut hat, wenn man einen sehr wichtigen Teil mit unausgegorener Software besetzt. Außerdem werden bereits bestehende Nutzer eventuell vor den Kopf gestoßen

Stimmt, der Aspekt kommt bislang in der Diskussion oft zu kurz, dass hier das stabile und erprobte GNOME (an der Oberfläche) durch etwas Frisches mit dann womöglich vielen Ecken und Kanten ersetzt wird (allerdings wäre auch die GNOME-Shell etwas ganz Neues).
Ebenso besteht sicherlich das Riskio, dass die “Bestandskunden” nicht überschwenglich begeistert sein werden. Andererseits: Mit GNOME wird man nicht mehr viele neue Nutzer für Ubuntu begeistern können (allein schon, weil das Alleinstellungsmerkmal eben fehlt), mit Unity hingegen könnte das leichter werden. An Stelle Canonicals würde ich also darauf hoffen, dass mir die alten Nutzer aus Trägheit oder Fanbewusstsein irgendwie die Treue halten – und ich den Rest durch etwas schickes Neues neugierig machen kann.

Pinguinzubehör · 28. Oktober 2010, 00:10

Dieser Artikel liest sich leider schon wie so ein echter Fanboy Webblock von Apple.
Alle was der große Guru und Zampano Steve macht ist immer Richtig , die übliche Kernaussage nun auch bei den Ubuntu Fan Boys des großen “Steve” Shuttleworth.

Was die Gnome Entwicker davon halten ist den doch egal sie brauchen ihr Alleinstellungsmerkmal.
Statt vorher wie es in der Linux Community üblich am Gnome 3 Projekt mitzuarbeiten und seine Ideen dort einzubringen.
Das Problem dabei, der Linux Desktop wird noch weiter Fragmentiert und Anwendungs Programmierer haben weitere Mehrarbeit zu leisten damit ihre Applikationen nun auch noch unter “Unity” laufen.

— mika B. · 28. Oktober 2010, 00:55

Linux Mint ist die Distribution der Zukunft. Die sind noch innovativer und flexibler. Ein Unternehmen was einem alles vorschreibt wie Apple brauch ich nicht.

Hoch lebe die Qual der Wahl…

— MintFan · 28. Oktober 2010, 05:27

@mika: Kann ich nicht nachvollziehen, liest sich für mich persönlich absolut nicht wie ein Fanboy-Artikel.

Auch dass hier oder anderswo “die übliche Kernaussage nun auch bei den Ubuntu Fan Boys des großen “Steve” Shuttleworth.” (“was der große Guru und Zampano Steve macht ist immer Richtig”) gibt habe ich nicht wirklich so empfunden, nicht umsonst wird überall über Unity und dessen Einführung diskutiert – wenn alle das so toll finden würden müsste man nicht diskutieren? Aber vielleicht verstehe ich das Ganze auch völlig falsch…

cywhale · 28. Oktober 2010, 14:41

Sehr vielen Dank für den Artikel!

Endlich mal eine unparteiische Äußerung zu dem Thema…

Warum sollte man nicht erst mal schauen, was aus Unity wird?

Werden die User nun schon so unanpassungsfähig wie die meisten bei Windows?

— · 28. Oktober 2010, 20:03

Wirklich ein interessanter Beitrag. Bin gespannt wie es nächstes Jahr dann allgemein aussieht. Das Ubuntu jetzt auf Unity setzt finde ich nicht schlimm. Schlimm wäre es, wenn man Gnome überhaupt nicht mehr verwenden könnte.

Erst wenn dieser Fall eintreten würde, würde ich von Ubuntu weg gehen, denn eine Linux Distribution soll sich ja meinen Wünschen anpassen, nicht umgekehrt.

Aber fürś erste würde ich sagen kein Problem alles. Sehen was die Zukunft bringt.

— Patrick · 28. Oktober 2010, 22:00

Ich werde auch weiterhin Ubuntu einetzen. Hoffe aber sehr, das Unity Multimonitor Fähig ist.

— sergio · 31. Oktober 2010, 22:36

Ubuntu hat eine schnelle USB-2.00-Hardtwareerkennung und eine gute USB-Auswertung eine Festplattenverwaltung mit dem man sogar Grub entfernen kann da gibts auch posetives von Ubu ich gebe hier 5 Sterne oder Zensur 1plus bei Unty 6minus oder nur 2 Sterne!

— Ralle · 8. November 2013, 06:29

Und die Ubuntu-Festplattenverwaltung Palimpsest finde ich gut dort kann man eine interne Festplatte testen und die Lese-und Geschwindigkeit auswerten laßen und ob die sogenannte C-Platte bei Linux HDA oder so ähnlich und ob die Disk fehlerfrei ist usw!

— Ralle · 10. November 2013, 07:11

(anonymes Kommentieren möglich,
es gibt keine Pflichtfelder!)
Textile-Hilfe für Formatierungen
 

Anzeige