Ist Linux jetzt so langsam erwachsen geworden?

10. Mai 2020

Linux scheint keine Überraschungen mehr zu bieten. Droht jetzt die große Langeweile auf dem Desktop?

Seit einigen Tagen gibt es Ubuntu und Fedora in neuen Versionen. Auch Manjaro hat neue ISOs auf den Markt geworfen. Und welche Neuigkeiten gibt es hier und da? Offenbar keine. Die Rezensionen schwanken unterm Strich zwischen „unspektakulär“ bis „läuft wie erwartet“. Das wirkt einerseits ein wenig, als würde den Kommentatoren nicht mehr viel einfallen oder als hätten sie gar die Lust verloren, sich mit den neuen Versionen zu beschäftigen. Da passt es fast schon ins Bild, dass Pro-Linux.de nach über 20 Jahren zum Ende des Monats den Betrieb einstellt, wie ein Menetekel, als gebe es fortan keine Neuigkeiten mehr. In der Tat verschwindet damit im deutschsprachigen Raum wohl das letzte der freien Linuxjournale.


Das aktuelle Ubuntu 20.04 mit Gnome

Die Frage muss daher erlaubt sein: Ist „Linux“ nun wirklich erwachsen geworden? Brauchen wir keine „Fanseiten“ und Unterstützerschriften mehr, keine Berichte und News zum Pinguinbetriebssystem, weil alles business as usual ist? Ja, den Eindruck könnte man tatsächlich gewinnen. Längst vorbei sind die Zeiten, in denen man auch auf nicht-exotischer Hardware verschiedene Distributionen durchprobieren musste, bis eine davon mal wirklich rundlief. Sogar die Upgrades von den Vorversionen auf die aktuellen Releases laufen reibungslos durch. „Saubere“ Neuinstallation, um an eine neue Version zu kommen? Verzichtbar geworden. Rolling-Release-Distributionen sind produktiv als Arbeitsumgebung einsetzbar.

Auch bei den Desktops ist so etwas wie Konsolidierung eingetreten. Ob KDE, Gnome oder sonst etwas – man weiß inzwischen, was einen erwartet. Bei den Oberflächen der jüngst aktualisierten Distributionen sind nicht einmal keine Buttons dort, wo sie nicht hingehören. Im Gegenteil, bei Ubuntu ist sogar einer verschwunden, nämlich der Amazon-Button.


Das aktuelle Fedora 32 mit XFCE

Das ist einerseits gut, weil sich so der Eindruck ergibt, dass man bei Linux keine großen Überraschungen fürchten muss. Es funktioniert einfach. Andererseits könnte es auch auf abnehmendes Interesse hindeuten. Und das wiederum wäre schade, denn allein die bestehende Fülle an Vielfalt im Linuxuniversum bietet eigentlich immer etwas, worüber es sich zu berichten lohnt. So aber beißt man sich an Lappalien wie dem verschwundenen Amazon-Button bei Ubuntu oder dem neuen RAM/Swap-Volllaufschutz bei Fedora fest.

Vielleicht gibt es aber auch gerade Wichtigeres in der Welt als neue Farben und Spielereien beim jeweiligen Lieblingslinux. Außerdem kann man sich sicher sein: Sobald irgendwann die nächste Plasma-Hauptversion ansteht, Edge Standardbrowser bei Ubuntu geworden ist oder Gnome den Dateimanager in eine Extension ausgelagert hat, wird es wieder genügend Diskussionsstoff geben.


aus der Kategorie: / Tratsch / Distributionen

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Kommentare

Ich fände es schön, würden Linuxfanseiten endlich verschwinden. So penetrant machen nicht mal Applenutzer Reklame für ihre Lieblingsfirma. Meine Güte, macht ihr auch Stihlfanseiten auf, weil euch eine bestimmte Kettensäge so gut gefällt? Wollt ihr alle Nutzer anderer Kettensägen zu Stihl bekehren? Nein, das wäre dämlich? Eben, eben…

tux. · 10. Mai 2020, 16:45

Stihl Kettensägen sind doch lame.
Richtige Männer benutzen die von Huqvarna.

Aber mal im Ernst: wenn ich Lust hätte ins facebook zu schauen, wäre ich nicht überrascht da auch Fanseiten von Kettensägenmarken zu finden.
Habe aber keine Lust.

Linux hat Fanseiten. Windows hat „Influenzer“ an allen relevanten Hebeln der Gesellschaft. Apple ist einfach so elitär teuer. So what?

— Understater · 11. Mai 2020, 09:04

@tux: JEDER hat das Recht, auf seine freie Meinungsäusserung – oder willst du das den Menschen verbieten? Wäre ja auch noch schöner!

Zum Thema und zum Artikel: Auch ich denke, daß Linux mittlerweile „gesättigt“ ist. Es ist in den letzten Jahren nicht viel Neues mehr dazugekommen und hat sich langsam so eingependelt. Der Nutzer will keine Experimente mehr und nimmt das, was ihm/ihr zusagt oder großes Aufhebens. Ubuntu, bzw. Canonical hat in den letzten Jahren sich einige Fehltritte geleistet und davon ist man nur noch genervt und man schaut sich hier nach Alternativen um – und da die Linuxvielfalt recht groß ist, findet doch jede® das, was er/sie will. Hauptsache, das System läuft und funktioniert – mehr wollen die meisten Menschen doch gar nicht.

— Torsten · 12. Mai 2020, 09:56

Ich fürchte, das hat weniger mit erwachsen werden zu tun als mit der schwinden Bedeutung von Desktop-Betriebssystemen.

Linux hat den Sprung auf Smartphones und Tabletts verpasst, auch aber nicht nur, weil es die Herstelle erfolgreich geschafft haben, diese Hardwarekategorie weitgehend abzuschotten.

Inzwischen hat sich auch Canonical von der Hoffnung verabschiedet, mit dem Linux Desktop Geld verdienen zu können. Das merkt man auch an der Weiterentwicklung, man kann froh sein, das sie überhaupt noch Geld reinstecken.

Und auch vielen Open Source Projekten meine ich anzumerken, das die Entwickler zunehmend schwinden und älter werden, weil sich die Entwicklung zunehmend auf Apps für mobile Plattformen verlagert, und grade junge Menschen immer weniger mit dem altbackenden Linux Ökosystem anfangen können.

Gleichzeitig werden die großen Softwareprojeket immer komplexer und sind immer weniger allein von einer Linux Community in der Freizeit zu stemmen.

— user · 13. Mai 2020, 11:15

Droht jetzt die große Langeweile auf dem Desktop?

Ist der Linux/Windows-Desktop ein Spiel auf dessen Oberfläche immer etwas zappelt u hüpft?

Oder kommt es nicht ausschleßlich auf die Anwendung an?

Gruß Gast

— Gast · 13. Mai 2020, 12:27

Bei mir selbst sehe ich auch, dass ich den Linux-Desktop einfach verwende und ganz froh bin, dass sich nur wenig verändert. Der Umbruch nach Gnome 2 war ja durchaus groß.

@Torsten

Jeder hat das Recht auf freie Meinungsäußerung, auch wenn diese Meinung eine Wertung anderer Meinungen ist. Letzteres ist auch integraler Bestandteil vieler Begründungen von Meinungsfreiheit. Dadurch, dass Meinungen ausgetauscht und auch öffentlich bewertet werden, ist es jedem möglich, die eigenen Meinungen zu bilden und zu überdenken. Der Nutzer tux hat nur davon gesprochen, was er schön fände und, dass manches dämlich sei. Er hat ein Verbot nicht ansatzweise nahegelegt.

— libertador · 13. Mai 2020, 12:30

@libertador: Doch, indirekt will „tux“ anderen durchaus mitteilen, daß sie endlich aufhören sollten, über diverse Dinge zu schreiben, das kann man aus seinen Zeilen deutlich herauslesen. Ein direktes Verbot war es nicht, aber es ging definitiv in die Richtung. So wird in Deutschland gerne argumentiert – einfach andere mundtot machen.

— Peter · 13. Mai 2020, 16:38

@Peter
„Doch, indirekt will „tux“ anderen durchaus mitteilen, daß sie endlich aufhören sollten, über diverse Dinge zu schreiben, das kann man aus seinen Zeilen deutlich herauslesen. Ein direktes Verbot war es nicht, aber es ging definitiv in die Richtung. So wird in Deutschland gerne argumentiert – einfach andere mundtot machen.“

Und diese Mitteilung von tux ist durch die Meinungsfreiheit gedeckt. Der User tux hat auch keinerlei Potential, dass man daraus eine verdeckte Drohung lesen könnte. Er könnte es ja vermutlich auch garnicht durchsetzen und mir sind auch keine Anstalten bekannt, dass er versucht hätte die von ihm kritisierten Äußerungen zu verhindern. Es ist Teil der Meinungsfreiheit, dass man andere zum Schweigen auffordern kann. Das macht andere auch nicht mundtot. Kritik ist zu ertragen, da diese integraler Bestandteil der Meinungsfreiheit ist.

— libertador · 14. Mai 2020, 10:12

Solange tux seine Windowsfanseite betreibt ist alles in Ordnung und alles bleibt genauso wie es ist!

Das Internet an sich ist halt langsam am Ende. Die Entwicklung seit 2014 ist nicht mehr aufhaltbar. Es gibt bald nur noch Google/Amazon/Facebook https://staltz.com/the-web-began-dying-in-2014-heres-how.html

Wir sind nur noch der letzte Rest vom Schützenfest

— struppi · 18. Mai 2020, 16:27

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