Reingefallen. Doch kein Langzeitsupport bei Opensuse.

22. Juni 2020

Wenn die Frage nach einer längerfristig unterstützten Linuxdistribution auftaucht, wird oft auch Opensuse als Möglichkeit genannt. Doch das scheint kein guter Rat zu sein.


Softwareverwaltung von Opensuse Leap

Fluch und Segen an Linux auf dem Desktop ist die Qual der Wahl, sowohl bei Desktopoberflächen als auch bei den Distributionen selbst. Die Auswahl macht manchmal Kopfschmerzen, aber es ist auch reizvoll, aus unterschiedlichen Konzepten wählen zu können, die allein schon deshalb viel passgenauer auf die eigenen Anforderungen zugeschnitten werden können.

Wie schnell man trotzdem in eine Sackgasse laufen kann, obwohl man sich im Vorfeld ausgiebig informiert, zeigt die Erfahrung mit Opensuse. Als Opensuse Leap 15.0 herauskam, dachte ich: Gibst du der Sache mal eine Chance. Und installierte auf einem Rechner einmal nicht Ubuntu LTS, Debian Stable oder ein Mageia, sondern eben das neue Leap. Denn bei Opensuse fährt man seit einiger Zeit zweigleisig: „Opensuse Leap“ ist die klassisch herausgegebene Variante der Distribution mit berechenbaren Supportzeiträumen, während „Opensuse Tumbleweed“ ständig neue Funktionen erhält.

Eigentlich zwei Geschwindigkeiten zur Wahl

Das klang alles richtig gut: Während Tumbleweed die Rolling-Release-Fraktion bedient, wird mit Leap die konservative Nutzerschaft angesprochen. Für Leap 15 waren mindestens 36 Monate Unterstützung in den Raum gestellt. Drei Jahre Sicherheitsaktualisierungen, das ist nicht ganz so lange wie bei Ubuntu LTS, aber ausreichend viel, vor allem im Vergleich zu Fedora. Also fast schon Langzeitsupport.

Schließlich kommt es selten vor, dass beim Aufsetzen eines Rechners zufällig auch die gewünschte Distribution gerade taufrisch erschienen ist. Ein paar Monate Spielraum sollte es daher im klassischen Installationsmuster schon geben. Wer will schon eine „noch aktuelle“ Version installieren, die nach 6 Monaten schon wieder eingestellt wird? Das kann einem natürlich auch bei einer 3-Jahres-Distribution passieren, wenn man zum Ende der Produktlebensdauer installiert, doch ein bisschen zeitlicher Puffer ist nie verkehrt.

3 Jahre Ruhe haben, das war der Plan

Vor allem aber war es von Anfang an verheißene längere Unterstützung durch das Projekt selbst – zuvor hatte es mehrmals mit dem zusätzlichen „Evergreen“-Projekt Versuche gegeben, Langzeit-Support quasi „nachzurüsten“. Also Leap 15 installieren, und dann 3 Jahre Ruhe haben. So war der Plan. Pustekuchen. Als bei der grünen Distribution Ende vergangenen Jahres plötzlich die Updates ausblieben, dachte ich schon, dass irgendetwas kaputt gegangen wäre oder dass ich versehentlich etwas verkonfiguriert hätte. „Kaputt“ war aber tatsächlich nur das Release.

Denn sang- und klanglos war das Produktende bereits erreicht worden. Nach knapp 18 Monaten. Die angekündigte Produktlebensdauer hatte man also mal eben halbiert, statt 3 Jahre gab es letztlich nur anderthalb Jahre Aktualisierungen. Mit anderen Worten: Damit wäre auch Fedora keine schlechtere Wahl gewesen.


3 Jahre Versorgung mit Sicherheitsupates waren angekündigt

Noch schlimmer: Die Nachfolgeversion 15.1, auf die Anfang Dezember 2019 aktualisiert werden musste, erreicht nicht mal mehr die Lebensdauer von einem Jahr: Schon im kommenden November müsste auch hier wieder auf 15.2 gewechselt werden. Damit wird sogar das als zu flott geltende Fedora unterboten, bei dem man maximal ca. 13 Monate Freude haben kann, bevor die Folgeversion installiert sein muss. Gerade da es doch neben Leap auch noch Tumbleweed gibt, das stets aktuell ist, ist das rasche Ende der Leap-Versionen Leap-Hauptversionen nur schwer verständlich.

Fatales Signal

Für die langzeitinteressierte Nutzerschaft hätte man bei Opensuse kein fataleres Signal senden können. Selbst wenn Opensuse nun noch einmal Quasi-Langzeitsupport bei Version 16 ankündigen würde – darauf zählen würde ich nicht mehr. Das Vertrauen ist dahin, was verlässliche Zeiträume betrifft. Da wird dann eher tatsächlich Ubuntu wieder interessant.

Denn dieses hat inzwischen in diesem Punkt ein Alleinstellungsmerkmal. Ubuntu ist eine der wenigen desktopzentrierten Distributionen, die echte Langzeitunterstützung bieten und bei denen man nicht alle paar Monate zum Upgrade gezwungen ist. Abseits von Debian und Abkömmlingen bleibt es somit schwierig, wenn man nicht gleich zu Unternehmenslösungen greifen möchte, aber ein wartungsarmes System bevorzugt.


aus der Kategorie: / Tratsch / Distributionen

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Kommentare

Du verwechselst Punktreleases wie 15.1, 15.2 usw. mit der Jahreszahlenbenennung bei Ubuntu (18.04, 19.10…).
Der 15er Release (Major) bekommt 36-48 Monate unterstützung, die Minor-Releases (.1, .2 etc.) bekommen 18 Monate.

Das ist auch alles an sich nicht neu und keine „Signal“ das hier gesendet wird. Das steht in der von dir verlinkten Wiki-Seite schon seit 5 Jahren exakt so: https://en.opensuse.org/index.php?title=Lifetime&oldid=72032

— vinzv · 22. Juni 2020, 21:12

Leider keine Verwechslung.

Der 15er Release (Major) bekommt 36-48 Monate unterstützung, die Minor-Releases (.1, .2 etc.) bekommen 18 Monate. (…) Das ist auch alles an sich nicht neu und keine „Signal“ das hier gesendet wird. Das steht in der von dir verlinkten Wiki-Seite schon seit 5 Jahren exakt so

Das steht da so, aber es stimmt nicht. Opensuse Leap 15.0 bekommt schon seit Herbst vergangenen Jahres keinerlei Sicherheitsupdates mehr.

Die angekündigte Lebensdauer ist, wie im Artikel beschrieben, damit tatsächlich auf die Hälfte zusammengeschrumpft – auf nur noch 18 Monate (für das Major Release!).

Pinguinzubehör · 22. Juni 2020, 21:51

Wie vincv schon schrieb hast du das System offenkundig nicht verstanden. Der Supportzeitraum bezieht sich auf die Hauptversion (15.x). So ähnlich wie bei RHEL

— Cruiz · 22. Juni 2020, 23:06

Reingefallen. Doch kein Langzeitsupport bei Ubuntu

Ubuntu 18.04 LTS – April 26, 2018
Ubuntu 18.04.1 LTS – July 26, 2018
Ubuntu 18.04.2 LTS – February 15, 2019
Ubuntu 18.04.3 LTS – August 8, 2019

Also <6 Monate!?

— · 23. Juni 2020, 06:31

Im Grunde genommen bedeutet es einfach, dass du innerhalb einer Release Version, z.B. 15.x dennoch auf die jeweiligen Minor-Releases upgraden musst, zumindest nachdem der Supportzeitraum für einen Minor abgelaufen ist. 15.0 ist dabei genauso ein Minor wie 15.1 oder die kommende Version 15.2. Über den gesamten Zeitraum der 15.x Serie erhältst du dann mindestens 36 Monate Updates. Das bedeutet allerdings, dass du die Minor-Release-Upgrades mitmachen musst. Ist bei openSUSE aber bisher nie ein Problem gewesen. Entweder von der DVD Upgrade oder online wie hier beschrieben: https://de.opensuse.org/SDB:Distribution-Upgrade

— Lioh · 23. Juni 2020, 12:47

Ich finde das nicht so schwer zu verstehen. Version 15, das ist das Majorrelease, 3 Jahre und zwar inkl. aller Pointreleases. Niemals war die Rede davon jedes .0, .1, .2 usw. für sich drei Jahre zu supporten.

— · 23. Juni 2020, 13:13

Danke für die Erklärungen. Also doch ein Missverständnis.

Es liest sich wie im Screenshot tatsächlich so, als würde die Version 15 weiterhin mit Aktualisierungen versorgt, auch wenn die Unterversionen schon erschienen sind. Darauf bin ich dann reingefallen.

Da ich gelesen habe „für die Hauptversion sind 36 Monate angdacht“, bin ich davon ausgegangen, dass man eine Hauptversion auch 36 Monate nutzen kann. Ich habe Unterversionen für Zwischenversionen gehalten.

Also hat man bei Opensuse tatsächlich nur deklaratorisch 3 Jahre Unterstützung, faktisch muss man jedes Minor-Release mitmachen. = Gleicher Aufwand wie bei Fedora.

Artikel entsprechend angepasst.

Pinguinzubehör · 23. Juni 2020, 13:28

Fedora muss man schneller aktualisieren als openSUSE Leap.

Bei openSUSE Leap wurde einiges angedacht, aber zwischenzeitlich hat man sich entschieden nochmal die Basis von SLES und openSUSE anzugleichen. Das heißt das sich unter Haube nochmal etwas ändert. Mit openSUSE 16 wird dann hoffentlich mehr Ruhe eintretten.

— Abbc · 24. Juni 2020, 00:26

Genau, sie orientieren sich bei den Pointreleases an die Servicepacks vom SLES. Und das in Zukunft in allen Belangen. „Closing the Leap gap“ nennen sie es bei Opensuse. Daher kommt die 15.2 auch erst am 02.07. raus und nicht wie zuerst geplant im Mai, sofern nichts gravierendes dazwischenkommt. Der SLES und Opensuse sollen ziemlich bald aus ein und der selben Paketbasis gebaut werden. Es wird im Herbst wahrscheinlich auch noch ein 15.2.1 deswegen veröffentlicht. Das habe ich in den Mailinglisten gelesen und auch hoffentlich richtig verstanden. Die Wurschteln da bei Suse und Opensuse kräftig rum zurzeit.

— · 24. Juni 2020, 01:07

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