Und wieder einer weniger – unanpassbares Opera

28. April 2014

Es ist wie ein schlechter Witz und pure Ironie – Opera ist nun ein Open-Source-Browser, aber im Gegenzug gibt es ihn nicht mehr für Linux, das Open-Source-Betriebssystem schlechthin. Opera nimmt aber auch ansonsten keine Rücksicht mehr auf Minderheiten – nicht nur die Linuxer dürfen verzichten, sondern auch diejenigen, die plattformübergreifend zu einer Randgruppe gehören. Wie der Sprung von Version 12 auf die aktuellen Versionen auch in einer Usability-Katastrophe endete – ein Opera-Rant von Jennifer Rößler.

Wer mit Opera 12 glücklich war und nun es doch einmal wagt, die neueste Operaversion auszuprobieren, erlebt eine böse Überraschung. Alle bisherigen Artikel konnten nicht auf das vorbereiten, was man dann zu sehen bekam.

Och nö ...

Seit Jon S. von Tetzchner und mit ihm der Großteil der Programmierer Opera verlassen hat, ist nichts mehr wie es vorher war. Man nehme eine neue Entwicklergruppe, gebe ihnen den Auftrag, Google Chrome so umzuprogrammieren, dass statt des Chrome-Logos das von Opera zu sehen ist und es ein ganz kleines bisschen nach Opera ausschaut und lasse das dann auf die Menschheit los. Das Ergebnis ist katastrophal. Wer schon vorher nicht mit Google Chrome klarkam, braucht es mit Opera gar nicht erst versuchen. Alle Vorteile, die Opera hatte, wurden auf ein Nichts heruntergefahren.

Und damit gibt es wieder einen Browser weniger für sehbehinderte Nutzer. Zwar ist die neue Engine für Screenreadernutzer problemlos zu bedienen, was mit vorherigen Operaversionen nicht machbar war, aber sehbehinderte Nutzer haben leider außer der Schriftgröße keinen Einfluss mehr auf das Aussehen des Menüs oder der Internetseiten. Damit hat sich Opera selbst erledigt.

Mit Firefox würde das nicht passieren, denn es würde nicht lange dauern, bis ein Fork entstehen würde, der die Vorteile der alten Version mit denen der neuen verbinden oder aber die alte Version dauerhaft weiter pflegen würde. Ein gutes Beispiel hierfür ist Iceweasel, ein Klon von Firefox, der von der Debian-Community verwaltet wird, und Seamonkey, das aus der Mozilla Suite hervorgegangen ist.

Die Hoffnung, dass die Entwickler von Opera zum alten Aufbau zurückkehren, ist wohl vergeblich. Und so steht zu befürchten, dass bald außer Firefox und seinen Klonen nur noch lauter Google-Chrome-Klone rumlaufen. Browservielfalt adé.


aus der Kategorie: / Tratsch / Browser

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Kommentare

es entsteht ein opera clone unter http://otter-browser.org/ – das projekt ist aber noch sehr jung.

— · 29. April 2014, 00:55

Ich habe hier ein Link über Otter-Browser von Ubuntuuser wie sich jener bei Ubuntu unter der Debianplattform mit DEB installieren läßt und ob der Paßwortmanager geht hier Link:

forum.ubuntuusers.de/topic/otter-browser-opensource-opera-12-alternative/

Ralle · 29. April 2014, 02:32

Ich habe mal ne Frage an Pinguinzubehör um welche Operaversionen handelt sich das die man bei Linux nicht installieren kann denn Opera 12 ging noch und die neue ist Opera 13 oder höher gilt es für Opera mini auch und was wird noch alles unterstützt?

— Ralle · 29. April 2014, 02:38

Ja, ich kann das nur bestätigen. Bis heute habe ich keinen Browser gefunden der je besser zu mir passt ohne jedwede Einstellungen oder Add-ins zu installieren.

— operawasbest · 29. April 2014, 06:28

Abstrakt, zu behaupten das etwas OSS ist, aber für Linux nicht existiert. Ich kann auf der Opera-Seite die Linux-Pakete einwandfrei herunterladen, installieren und verwenden. :)

maltris · 29. April 2014, 09:35

Danke für die Links zum Otter-Browser, ich werde testen und berichten. :)

— Jennifer Rößler · 29. April 2014, 10:09

@Ralle: Es handelt sich hierbei um Opera 20. Opera 12.16 ist die letzte unter Linux laufende Version.

— Jennifer Rößler · 29. April 2014, 10:13

@maltris Schau mal auf die Version, die du da nutzen kannst!
Es geht nicht um die 12er Version, sondern um die >12er, die es nun mal nicht für irgendwas Linux-artiges gibt. (12.16 ist die letzte Version, aktuelle für Windows/Mac 20.0.1387.91)

— flexi · 29. April 2014, 10:13

Opera war früher mein Lieblingsbrowser und was sie jetzt damit gemacht haben ist wirklich katastrophal….

— Andreas · 29. April 2014, 11:17

Da ich auch zu den Leuten gehöre, die Opera > 12.x nicht nutzen werden, habe ich mir schon mal den einen oder anderen Kandidaten angesehen, der die Nachfolge bei mir antreten kann. Einen wirklich vollwertigen Ersatz habe ich nicht gefunden. Allerdings bin ich bei drei Browsern hängen geblieben, die dem ziemlich nahe kommen. Oder zumindest das Potenzial haben.

- Maxthon
Der Browser bietet ziemlich viel von Haus aus. Mausgesten, Adblocker, usw. Erweiterungen werden ebenfalls unterstützt. Allerdings ist Maxthon nicht OSS. Dürfte für die meisten Nutzer von Opera aber kein allzu großes Problem sein. Der größte Nachteil für mich ist, dass man die grafische Oberfläche nicht wirklich anpassen kann.

- Otter
Das soll man ein Browser werden, der viele aber definitiv nicht alle, Funktionen des alten Opera nachbilden soll. Hier merkt man, dass es noch ein ziemlich junges Projekt ist und das auch die Manpower fehlt. Gerade letzteres könnte zum Problem werden. Die Roadmap sagt mir zudem aktuell nicht wirklich zu, da z. B. die Mausgesten eine recht geringe Priorität haben. Ein Feedreader eine höhere.

-QupZilla
Über den Namen kann man streiten. Ich finde ich ehrlich gesagt nicht toll. Bietet ebenfalls einiges von Haus aus, wie Mausgesten und Adblocker oder Lesezeichen. Die Oberfläche ist von Seiten des Nutzer noch weniger anpassbar als z. B. beim Maxthon. Plugins werden unterstützt. Die aktuell Anzahl ist aber ziemlich überschaubar.

Aktuell habe ich bei QupZilla unterm Strich das beste Gefühl. Die Entwicklung schreitet voran. Verbesserungen werden vorgenommen (so sind die Mausgesten inzwischen auch mit der rechten anstatt nur mit der mittleren Maustaste steuerbar) und OSS ist der Browser auch noch. Auch wenn ich einige Opera-Funktionen vermisse ist Qupzilla aktuell bei mir mein Standardbrowser.

Anaximander · 29. April 2014, 11:59

“Browservielfalt adé.”
KDE, Gnome, LXDE, Xfce, Mate, Unity, Cinnamon, Enlightenment…
Irgendwann ist Vielfalt auch mal schädlich. Wieso können sich die Leute nicht einfach mal vernünftig zusammen setzen und an einer frei konfigurierbaren Gesamtlösung basteln? So existieren nur eine Vielfalt von Produkten mit vielen Vor- und Nachteilen. Der User muss sich entscheiden und ist unglücklich, weil die “Konkurrenz” gewisse Features hat, die man vermisst.

Abgesehen davon habe ich aber noch nie verstanden, was an Opera besser sein sollte als an Firefox. Kann mir das jemand erklären?

— · 29. April 2014, 12:26

jeder hat einen ander geschmack. dies wird all die genannten, sehr gut bedient.
eine gesamtlösung wird es nie geben.

— eisbaer006 · 29. April 2014, 15:23

Eine Frage an die Knetfeder/Pinguinzubehörhabe ich noch! Kann ich bei Opera 20 eigentlich in die Adressleiste Config eingeben um meine Ip-Nr bzw beim Handy meine Telefonnummer verbergen wegen Abofallen,Nach-Hause-Telefonieren oder mein Timeout einstellen?

— Ralle · 29. April 2014, 15:32

Die hohe Anpassbarkeit bei Opera ist schon ein enormes Plus und auch viele der enthaltenen Features. Das ist auch der Grund, warum ich Opera 12.16 immer noch verwende (obwohl ich mir bewusst bin, dass da ein Sicherheitsrisiko ist und auch die Performance drunter leidet).

Was mir bei anderen Browsern vor allem fehlt ist die Tab-Leiste an der rechten Seite anstatt oben, so kann ich viele offene Tabs bei einem heute üblichen Breidbild-Monitor deutlich besser nutzen, da der Platz besser genutzt wird. Die Übersicht über die offenen Tabs ist viel besser und zusätzlich kann ich bei Opera auch noch Tabs gruppieren oder kurz zurvor geschlossene Seiten doch nochmal schnell aufrufen. Den integrierten Feedreader nutze ich auch intensiv und den Mailclient zum Anzeigen neu eingehender E-Mails. Die Lesezeichenverwaltung ist auch recht mächtig. Das waren nur die wichtigsten Beispiele …

Es entsteht da für mich gerade eine riesige Lücke, und ich weiß nicht, wie ich sie schließen soll – insofern spricht mir der Kommentar aus der Seele. Es ist wirklich ein Jammer. Ich würde sogar für Opera zahlen, wenn sie den Browser in der alten Variante weiterentwickeln würden, aber ich denke, dafür ist es zu spät.

Man sollte auch nicht vergessem, dass viele Innovationen und Impulse der letzten 15 Jahre von Opera kamen, leider haben diese am wenigsten davon profitiert.

— Rayman · 29. April 2014, 20:19

Fallen wir in die Internet-Steinzeit zurück wo es nur Telekom,Microsoft,Internetexplorer und Compusurf gab ich finde es schlimm wie Mozilla FF und Opera von Google verChromt wird pfui Spinne kaum Konfiguration nur bald Appel und Win?

— Ralle · 29. April 2014, 23:09

Hallo Jennifer, hast du eigentlich mal Midori getestet? Ich habe selbst wenig Ahnung, was speziell anpassbar sein muss, aber ich würde mir vorstellen, dass so ein “nackter GTK-Browser” sich sehr gut dem Thema des Systems anpasst. Würde mich mal interessieren…

— · 2. Mai 2014, 15:27

Linux hin, Windows her. Jammerschade um meinen Lieblingsbrowser – auch in Version 26 immer noch eine unausgegorene Bastelbude.

Bleiben wir also bei 12.17, so lange es geht.

RA JM · 14. Januar 2015, 17:19

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