Wie schlimm steht es wirklich um Firefox?

24. Juli 2017

Die nächsten großen Umbrüche bei Firefox kündigen sich an, das bisherige Erweiterungs-Ökosystem steht vor dem Aus – und die Marktanteile sollen schwinden. Könnte das tatsächlich irgendwann das Ende von Firefox sein?

Es geht gerade durch alle IT-Medien: Mozillas Ex-Technikchef Andreas Gal gibt Googles Werbemaßnahmen die Schuld für einen schwindenden Marktanteil des Firefox-Browsers. Das klingt durchaus plausibel, denn Google hat von Anfang an relativ viel Werbung für seinen Chrome-Browser gemacht. Während Firefox vor allem durch Mundpropaganda groß wurde – eine (!) großseitige Anzeige in der FAZ vor Jahren bezahlten die Nutzer, nicht Mozilla – gab es Chrome-Werbung nicht nur bei Google-Suchen, sondern auch im Real Life auf Plakatflächen oder im Fernsehen zu sehen.

Werbung ist nicht alles

Aber so wichtig Werbung auch ist, sie sollte bei der Beurteilung für Chromes Aufstieg nicht überbewertet werden. Denn Chrome überzeugte auch durch das Produkt an sich: der Google-Browser wurde zum technischen Vorreiter, nahm Entwicklungen vorweg, die Firefox teilweise bis jetzt noch nicht wieder aufgeholt hat. Die Trennung von Tabs und Plugins in unterschiedliche Prozesse, die Vereinfachung der Benutzeroberfläche.

Chrome lief Firefox recht schnell den Rang ab als modernster zu habender Browser für unterschiedliche Systeme. Während früher Derivate fast immer auf Mozilla-Technik aufsetzten, ist es heute die Technik hinter dem Google-Browser, die als Grundlage für weitere Browser – wie etwa Opera oder Vivaldi – dient … und damit zumindest die Darstellung des Internets immer homogener werden lässt.

Firefox hingegen hat sich auch danach noch lange Zeit auf seinem Alleinstellungsmerkmal des umfassenden Erweiterungssystems ausgeruht – und traf dann einige strategische Fehlentscheidungen. Statt sich ganz auf sein Aushängeschild Firefox zu konzentrieren, wurden viele Ressourcen in das inzwischen gescheiterte Firefox OS gesteckt. Statt den Browser schneller auf eine technisch neue Grundlage zu stellen, wurden teils merkwürdige Features integriert.

Nicht mehr die Nr. 1

Dass Firefox nicht mehr die Richtung vorgab, war spätestens daran zu merken, als Firefox begann, Chrome zumindest auch optisch zu imitieren. Das Australis-Design brach visuell mit der Firefox-Historie und machte den Open-Source-Browser zwar nicht zum Chrome-Klon, rückte ihn aber deutlich in dessen Nähe. Und auch das Veröffentlichungsmodell mit vielen schnellen und regelmäßigen Neuversionen, die aber meist nichts wesentlich Neues brachten, ließ die Unterschiede zu Chrome weiter abnehmen.

Firefox ist nach dem Ende von Operas „Presto“ faktisch die letzte mit Chrome konkurrierende Browsertechnik, die plattformübergrreifend verfügbar ist. Doch die Notwendigkeit von einst, die die Leute zu Firefox trieb, der technisch schlimme Zustand des Internet Explorer mit seinen vielen Sonderwegen, ist heute nicht mehr das Problem. Chrome ist nicht nur überall präsent, sondern hält sich auch an die Webstandards. Webentwickler haben keinen Anlass, Chrome zu verteufeln. Firefox ist dadurch nur noch ein Konkurrent, kein Heilsbringer mehr, kein David gegen Goliath, der sich anschickt, das Web zu retten.

Die Sympathien liegen im Zweifel immer noch eher beim Mozilla-Browser, der theoretisch unabhängig von Konzerninteressen entsteht und die Nutzerinteressen an erste Stellen rücken kann – doch in der Praxis spielt das letztlich kaum eine Rolle.

Der Fuchs ist noch lange nicht tot

Für Schwarzmalerei ist es aber noch zu früh. Im Vergleich zur einstigen Statistik ist auch bei uns die Entwicklung deutlich abzulesen, Chrome und andere auf Blink-Technik setzende Browser führen auch auf den Knetfeder-Seiten die Statistik an.

Firefox hat Platz 1 an Chrome verloren und folgt nun auf dem 2. Platz vor den Microsoft- und Apple-Browsern. Während vor 5 Jahren noch fast die Hälfte der Nutzer mit Firefox unterwegs waren und vor 3 Jahren immerhin noch ein gutes Drittel den Fuchs nutzte, ist die Zahl der Firefox-Fans nun auf ein Viertel gefallen. Knapp 27 Prozent Firefox stehen knapp 30 Prozent Chrome gegenüber, wenn man die Apple-Browser nicht mitzählt. Zählt man sie mit, dann dominiert die Google/Apple-Technik mit deutlichen runden 50 Prozent.

Das Verhältnis von Firefox zu anderen Browsern hat sich also in den letzten 8 Jahren genau umgekehrt. Ein Anteil von einem knappen Viertel ist andererseits auch alles andere als blamabel, sondern vor allem vor dem Hintergrund, dass Microsoft, Google und Apple in einer ganz anderen Liga mit ganz anderen Möglichkeiten spielen, weiter respektabel.

Ob es für Firefox tatsächlich irgendwann einmal gefährlich wird, das wird sich in den kommenden Jahren zeigen, ob die Nutzer den neuen Firefox annehmen werden – oder noch weniger Gründe für den Firefox-Einsatz sehen, wenn der Mozilla-Browser dann zwar technisch zu Chrome aufschließt, sich dann aber noch weniger von diesem unterscheiden wird.


aus der Kategorie: / Tratsch / Browser

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Kommentare

Seit der Ankündigung von Mozilla, XUL aus dem Programm zu nehmen (sozusagen), habe ich nach fast 20 Jahren Netscape/Mozilla/Firefox als meinen unangefochtenen Hauptbrowser aufgegeben. Ich nutze nun Vivaldi, Pale Moon und den qutebrowser (je nach Gerät) und vermute beinahe, dass Pale Moon, der “bessere Firefox”, die am wenigsten lange Zukunft bei mir haben wird.

Schade eigentlich.

tux. · 24. Juli 2017, 23:12

FF war früher vielleicht ein “freier Browser” für ein “freies Web”. Aber die Verhältnisse haben sich gedreht. Die Kommerzialisierung hat im Web derart Einzug gehalten, dass sich Mozilla darauf eingelassen hat, im Markt “mitzuspielen” und seine Prinzipien aufzugeben. Jetzt heißt es Marktanteile sichern, aber sicher nicht, der Benutzer zuerst. Die Arschlochfirmen haben den HTML5-Standard unterwandert und von hinten rum DRM/EME in die Browser integririert. Mozilla hat da mitgemacht und einige Entwickler für Firefox haben das nur zähneknischend akzeptiert. Spätestens, wenn man Werbung nicht mehr abschalten kann, fragen wir uns, warum es keinen echten freien Browser mehr gibt?

— Stefan · 25. Juli 2017, 06:31

Ich nutze auf meinem Laptop/Desktop weiterhin Firefox. Lese ich aber Blogs, so mache ich das i.d.R. unterwegs mit dem Handy und dort ist eben Chrome vorinstalliert. So gehe ich in deine Statistik vermutlich ausschließlich als Chrome-Nutzer ein, obwohl ich beides zu gleichen Teilen nutze.
Aber das könnte allgemein auch der Grund für die schnellere Verbreitung sein. Viele nutzen zum surfen Handy/Tablet mit vorinstalliertem Chrome.

Arne · 25. Juli 2017, 07:27

Den Firefox Browser habe ich immer gerne genutzt. Bis zu diesem einen Zeitpunkt, wo Mozilla angefangen hat die Version von 3.6.2 auf 4.1 -> 5.1 -> 6.1 usw. zu springen. Ab hier begann das leidige Rennen um die höchste Versionsnummer könnte man meinen. Gute Verbesserungen sind meiner Meinung nach nicht mehr in den Performance hungrigen Browser reingelaufen. Sehr zum Leiden der Community. Ich hoffe nur das Mozilla noch die Kurve schafft!

VG Nico

Nico · 25. Juli 2017, 08:56

Firefox hat seit Version 3.* ein Problem mit der Performance welches sie nicht in den Griff bekommen. Deshalb nutze ich auf dem Desktop nur Chromium und Chrome. Ich vermisse keine Addons und die Dev Tools unter Chrome sind um weiten besser als alles was es für FF gibt.

michael · 25. Juli 2017, 09:15

Ich nutze Icecat auf dem Smarthone über F-Droid installiert sonst firefox und für Videos chromium. An vielem ist Fireox selber schuld.
Schade finde ich das sie nach so kurzer Zeit die Entwicklung eines Freien Smartphone OS aufgegeben haben.
Jetzt nach dem das platt ist sieht man das bei uns auch mal und könnte ein firefox handy kaufen, aber wer macht das schon wenn er weiß das system ist platt. Es reicht schon wenn die Android Handy alle Uraltsyseme haben die nicht mehr unterstützt werden, da bleibe ich dann lieber bei Debian bei dem immer bemängelt wird das es zu alt wäre welch eine Kognitive Dissonanz!

— blub · 25. Juli 2017, 12:05

Ich sehe die Sache etwas anders. Dass Problem mit dem FF ist, daß er in den letzten Jahren immer schwerfälliger und langsamer wurde. Ich glaube, das ist ein Grund dafür, warum so viele Nutzer sich vom FF abwenden und sich stattdessen Chrome oder Chromium oder andere Browser zuwenden. Firefox war mal gut und schnell, aber leider hat der FF in dieser Hinsicht extrem nachgelassen.

— Klaus · 25. Juli 2017, 18:02

Zu den Statistiken: Worin fließen die anderen Browser (Vivaldi, die ganzen Handy-Browser) ein? Bei Chrome? Das ist insofern interessant, weil Mozilla das Einbetten der Gecko-Engine im Gegensatz zu Chromium nicht als Priorität sieht und daher die ganzen Abwandlungen auf Chromium/Blink/WebKit basieren. (Angeblich soll sich das bei Mozillas Servo ändern)

Ich finde diese Fixierung auf Australis (Schon mal drüber nachgedacht, dass sowohl unter Windows als auch macOS jede Fensterleiste drei Buttons hat?) und den Release-Zuklus schwachsinnig.

Dass Firefox kein Chrome-Klon ist, merke ich jedes Mal, wenn ich Chrome nutze und Funktionen fehlen oder nicht da sind wo sie beim Firefox zu finden sind.

Dem schnelleren Release-Zyklus kann ich nur Gute abgewinnen: Neuere Webtechniken werden schneller ausgeliefert und da ziehen mittlerweile alle Browserhersteller mit. Außerdem ist das Risiko, das Addons plötzlich umfangreich angepasst werden müssen, dadurch geringer. Ich glaube nicht, dass dadurch weniger Funktionen in FF integriert werden, sie werden halt kontinuierlicher über die Zeit eingebaut und man nimmt sie nicht so wahr.

@tux: Statt deiner dauernden Meckerei über das Zöpfe-Abschneiden bei Mozilla hättest du mal besser in einen Feature-Request bei Mozilla einreichen sollen. Dann hätten sie vielleicht die nötigen Funktionen in der API eingebaut. (Und warum wechselst du dann sowieso zu Browsern, die weniger können als der FF?)

Dislaimer ;-)
Ich bin aktuell mit Firefox ziemlich zufrieden und freue mich auf die zukünftigen Verbesserungen.

Soll halt jeder nutzen, was er möchte. Man muss nur darauf achten, dass diese Wahlfreiheit erhalten bleibt.

P.S.: Geht die Uhr hier im Blog um eine Stunde nach – falsche Zeitzone?

Julius · 26. Juli 2017, 04:40

Worin fließen die anderen Browser (Vivaldi, die ganzen Handy-Browser) ein? Bei Chrome? Das ist insofern interessant, weil Mozilla das Einbetten der Gecko-Engine im Gegensatz zu Chromium nicht als Priorität sieht

Die aktuellen Browser mit gleicher Engine sind eingerechnet (z. B. Vivaldi zählt zu Chrome), die älteren Browser (Opera Presto …) sind herausgerechnet/nicht berücksichtigt. Und die fehlende Gecko-Einbindung ist von Mozilla tatsächlich selbstverschuldet.

Pinguinzubehör · 26. Juli 2017, 06:39

Ich kann nicht bestätigen dass Firefox langsamer geworden ist. Schlicht und einfach deshalb, weil ich nichts anderes verwende. Aus Geschwindigkeitsgründen gebe ich nicht Sicherheit und Konfigurierbarkeit auf. Im Ernst mal, wer bitte tut sich eine Wanze wie Chrome an, nur weil der ein bisschen schneller ist? Okay, ich rede jetzt von Usern die wissen was ein Cookie ist und dass man auch beim Firefox nach der Installation einiges abschalten bzw. umstellen sollte.

— schnarch · 26. Juli 2017, 16:38

@schnarch: Auch “Chrome” (oder “Chromium”) kann man hervorragend konfigurieren und so einstellen, daß dieser sicher ist. In einigen Punkten sogar besser, als beim FF. Diese typisch deutsche Google-Hysterie und Paranoia wird langsam lächerlich. Ich selbst nutze den FF, aber auch Chrome und Chromium. Und ja, der FF ist erheblich langsamer und schwerfälliger geworden. Da ich einen älteren Rechner habe, bin ich froh, daß es so schnelle Browser wie Chrome/Chromium gibt. Dieses Chrome/Google-Bashing und diese Hysterie ist typisch deutsch. In fast allen Ländern der Welt ist Chrome mittlerweile auf Platz Nr. 1, aber der deutsche Hysteriker weiß es natürlich immer besser, was gut ist….

— Tobias · 27. Juli 2017, 06:33

Ist es nicht sogar eine feine Sache, da Angreifer sich üblicherweise auf den “Marktführer” konzentrieren?

Deswegen haben wir Linux Desktop Nutzer doch auch so ziemlich Ruhe vor Angriffen, da diese sich eher auf Windows Desktop Nutzer konzentrieren und an zweiter Stelle mittlerweile Apple Desktop Nutzer stehen dürften. Man sieht es ja dann auch bei Android, wie schnell das geht, nachdem es sich zum “Marktführer” bei Smartphones entwickelt hat, dass sich dort die Angriffe auf die Nutzer konzentrieren.

Das Linux und Distributionen vorzügliche Leistungen für die Sicherheit bieten, soll nicht Gegenstand dieses Gastkommentars sein, das ist mir bewusst. Es soll vielmehr der dezente Hinweis sein, dass es auch sehr angenehm sein kann, nicht mehr in der ersten Schusslinie von Angreifern ganz weit vorne zu stehen.

Postuliert mit Firefox. ;-)

— Gastkommentar · 27. Juli 2017, 09:41

Mein Chrome/Google-Bashing ist meine Sache, ich mag weder Google noch Chrome. Ich kann das auch begründen: Chrome/Google will Geld verdienen und dafür tun sie alles was möglich ist. Bis es irgendwann auffliegt. Sie beschenken dich reichlich, ein schicker Brauser und kostenlose Mailaccounts und du kannst sogar dein geheimes Tagebuch zu denen hochladen!1!! Freuste dich? Kannste gleich in Facebook posten. Mach mal.

Die andere Seite ist Open Source. Wie der Firefox, der aber leider an Googles Nadel hängt. Dafür wird dann schon mal Google als Suchmaschine voreingestellt oder was weiß ich, ist mir auch egal. Wichtig für mich ist, daß ich alles einstellen kann, 3rd Party Cookies abweisen, Cookies löschen beim Programm beenden, das ist schon die halbe Miete. Ach so, auch Google (und noch ein paar andere Menschenfreunde) setzen bei mir keinen einzigen Cookie.

So ich denke der Unterschied zwischen kommerzieller Software und OpenSource ist hinreichend geklärt, nun brauche ich etwas Ruhe. Ich muss mir einen Aluhut basteln.

ein schönes Wochenende wünscht
der typisch deutsche Hysteriker..

— schnarch · 28. Juli 2017, 21:03

@schnarch: Dann bastel mal an deinem Aluhut, den brauchst du wohl auch. Auch Mozilla will mir FF etwas Geld verdienen, das machen die natürlich anders wie Google mit Chrome, aber auch der FF spioniert die Nutzer aus (das weiß ich von einem ehemaligen Mozilla-Mitarbeiter).
Wenn man nahezu absolute Sicherheit will, dann soll man seinen Computer verschenken, komplett auf das Internet verzichten und nur noch Bücher lesen und richtige Briefe schreiben – aber auch das ist natürlich nicht 1000%ig sicher. Irgentwo gibt es immer ein Haken oder eine Schwachstelle.
Was mich nervt, sind die Besserwisser-Vollgermanen, die alles (angeblich) besser wissen und der Rest der Welt ist ja soooo blöde – nur der Besserwisser-Germane hat ja die Weisheit für sich gepachtet. Deutshe Arroganz, nenne ich das.

— Tobias · 29. Juli 2017, 17:56

Auch ich nutze mittlerweile immer öfters Chromium, anstatt Firefox. Beim Firefox ist die Schriftdarstellung oftmals ziemlich schlecht für mich zu lesen (von Ausnahmen abgesehen). Diese Probleme habe ich mit Chromium nicht. Ausserdem ist Chromium viel schneller, das merke ich vor allem dann, wenn ich im Chromium etwas eintippe. Der Firefox wird immer langsamer. Eigeintlich ein guter Browser, der allerdings in den letzten 5-6 Jahren erheblich nachgelassen hat. Ich kann nur hoffen, daß der FF demnächst wieder so wird, wie er früher war.

— Markus · 30. Juli 2017, 10:40

Mich wundert es nicht, ich bin eigentlich einer von denen, die Firefox lange Zeit gerne genutzt hat, leider habe ich schon länger den Verdacht, nach jeder neuen Version ist der Browser langsamer den je. Ich bin aber auch einer, der nicht gerne zum Chrome-Browser greifen, obwohl er recht gut ist. Als alternative habe ich nun mal Chromium installiert, und bin schon der Meinung, das vieles besser ist als bei Firefox, was dem Ganzen Google-Gedöns angeht, das lässt sich ja prima in den Einstellungen ändern. :-)

— Detlef · 14. August 2017, 21:10

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