Windows 8 für Linux-Nutzer

21. Mai 2012

Die Pläne sind weit fortgeschritten, der Nachfolger von Windows 7 nimmt so langsam Formen an. Und es sieht ganz danach aus, als würde Windows 8 einem geheimen Masterplan folgen. Denn ohne Grund wird man nicht Milliarden von Windows-Nutzern vor den Kopf stoßen, indem man Verhalten und Optik des Windows-Desktops völlig über den Haufen wirft.

Da muss es eine bestimmte Ursache geben. Mit der Präsentation der neuesten Entwürfe dürfte diese klar sein: Der geheime Plan sieht vor, mit Windows endlich auch wieder die Linux-User anzusprechen.

1. Ergognomie

Zunächst sollen die Gnome-Shell-Nutzer überzeugt werden. Die Gnome-Entwickler hatten einen guten Ansatz, haben ihr Konzept der Reduzierung aufs Wesentliche aber nur halbherzig umgesetzt und das Endprodukt völlig vergeigt. Denn die Minimieren- und Maximieren-Buttons wurden zwar entfernt, aber das Schließen-Kreuz hat man total übersehen.

Logos der Linux-Desktops in vier farbigen QuadratenHier setzt nun Microsoft an. In der neuen Standardoberfläche „Metro“ wird es gar keine Fenster-Buttons mehr geben, auch keine Fensterleisten oder Rahmen mehr. Auch auf sonstige Leisten verzichtet Windows gänzlich. Die Gnome-Macher werden sich wundern, wenn ihre Nutzer plötzlich alle zu Windows überlaufen. Weniger Desktop als dort geht nicht.

2. Kantiges Erscheinungsbild in 2D

Doch auch an die Liebhaber des traditionellen Desktops hat man gedacht. So wird Windows 8 weiterhin einen klassischen Desktop-Modus haben, um auch die Nutzer von IceWM und LXDE zurückzugewinnen. Denn das bisherige „Aero“, das schicke Farbverläufe, Schatten und Transparenz bot, wird eingemottet. Das neue Nicht-Metro-Fallback wird aus flachen Fenstern in blassen Farben ohne Schatten bestehen. Damit sieht der künftige Windows-Desktop noch langweiliger aus als LXDE und wird bei den Nutzern dieser Oberfläche Begeisterungsstürme hervorrufen. Zu diesem Zweck wird man auch die abgerundeten Fensterecken abschaffen, damit Windows LXDE noch ähnlicher wird. Die Gestaltung der Fensterleisten jedoch ist denen von Gnome 3 nachempfunden – falls ein ehemaliger Gnome-Nutzer doch mal den Ausgang aus Metro finden sollte.

3. Funktionsumfang

Auch die XFCE-Anwender und speziell die Benutzer des Thunar-Dateimanagers werden nicht vergessen. Um auch für diese Nutzer einen Anreiz zum Umstieg auf Windows zu bieten, wird der Windows-Explorer auch in Windows 8 weiterhin keine Tabs beherrschen.

4. Kein Herz für KDE- und Unity-Benutzer

KDE-Nutzer werden sich zumindest teilweise mit dem neuen Windows anfreunden können, denn die beliebte Systemsteuerung bleibt erhalten und bietet neben unübersichtlichen Konfigurationsdialogen auch über das gesamte System verstreut versteckte Einstellungsmöglichkeiten. Auch wird der Explorer künftig die aus Office bekannten „Ribbons“ haben, um die Komplexität noch weiter zu erhöhen. Jedoch wird Windows weder mit hüpfenden Mauszeigern noch mit drehbaren Notizzettelchen ausgestattet.
Und Unity-Nutzer sollen bitte gleich zu Mac OS gehen.

5. Summa summarum

Generell wird Windows 8 sehr inkonsistent werden: Metro, normaler Desktop, Metro-Apps und herkömmliche Programme nebeneinander wird es geben. Der typische Linux-Anwender wird sich hier sofort wie zu Hause fühlen, denn es stellt sich hier das gewohnte Gefühl ein, wie wenn man KDE- und Gnome-Anwendungen mischt. Da Inkonsistenzen ohnehin zum Linux-Erlebnis dazugehören, jeder Desktop und jede Distribution ihr eigenes Süppchen kocht, wird die Diversifikation von Windows vielen Linuxern sehr entgegenkommen.

mehr
Satire

Dass das nächste Office keine Ribbons mehr haben wird, um auch Libre- und OpenOffice-Nutzer zurückzugewinnen, bleibt jedoch ein Gerücht.

Windows 8 wird sich also alle Mühe geben, die verlorenen Schafe – also die Linux-Nutzer – zurück nach Hause zu holen: Maximale Spartanität für Gnome-Nutzer, optische Reduzierung für LXDE- oder Terminal-Nutzer, funktionale Reduzierung für XFCE-Fans und Einstellungsvielfalt für KDEler. Damit dürfte für fast jeden Linuxnutzer was dabei sein.

Linux auf dem Desktop ist tot, Windows 8 kommt!


aus der Kategorie: / Tratsch / Satire

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Kommentare

Schlecht, einfach nur schlecht. Und das immer, immer wieder in diesem Blog.

— · 21. Mai 2012, 12:28

Ironie und Selbstironie sind einfach nicht für jedermann.
Mir hat’s gefallen :-).

— Thomas S · 21. Mai 2012, 12:48

>Mir hat’s gefallen :-).

Vor allem, wenns treffend ist. Als IceWM-Nutzer war meine erste Reaktion auf die Aero-Alternative “hübsch”.

onli · 21. Mai 2012, 12:51

“…halbherzig umgesetzt und das Endprodukt völlig vergeigt…”
An dieser Stelle verging mir schon fast die Lust aufs weiterlesen. Gnome3 mag nicht jedermanns Sache sein und ist mit Sicherheit nicht Perfekt, aber unter “vergeigt” versteh ich etwas anderes. Ich würde aktuell keine andere Oberfläche einsetzen.
Zum eigentlichen Thema: Meinst du wirklich, dass MS diesen radikalen Bruch im Design wegen den Linux-Usern macht? Aus dem Bauch herraus würd ich sagen, dass nicht einmal jeder 10. Linuxer wegen des Designes zurück zu Windows gehen würde, was dann in etwa 0,1% der User sein dürften. Das scheint mir doch sehr weit hergeholt. Vielmehr versucht MS mit dem neuen Design endlich Fuß auf dem Tabletmarkt zu fassen, welcher immer noch stark wächst und bis dato von Google und Apple dominiert wird.
Näher auf diesen Beitrag einzugehen ist es mir ehrlich gesagt nicht wert.

— Manu · 21. Mai 2012, 12:59

Hei, also mir gehts auch gerne so. Ich les sowas hier und denke “was denn das für einer”.

Dann sehe ich die Kategorie und kringel mich ein wenig vor lachen.

Mein RSS Reader spukt die Kategorie eben nicht aus, da lohnt sich der Blick auf die Homepage gg

Ich finds gut, vor allem machen sie es Teuer, damit die Mac User sich auch wieder heimisch fühlen und zurück kommen.

Thoys · 21. Mai 2012, 13:01

Oh man, danke für diesen ironischen und sarkastischen Blogbeitrag, der es wirklich auf den Punkt bringt. Jetzt kann ich nicht nur gut gesättigt, sondern auch mit einem breiten grinsen den zweiten Teil meines Arbeitstages angehen. ;-)

Ich weiß im Moment auch noch nicht, was sich MS bei Win8 eigentlich denkt, aber anders als die Gnome-Shell und Unity haben sie (meiner Meinung nach) einen falschen Weg eingeschlagen.

Ich werde aber auch alle Fälle bei Kubuntu (mit einem Unity-Nachbau unter KDE) bleiben. Vielleicht werde ich mich aber auch mal an Arch heranwagen, wenn ich mehr Zeit habe. Aber meine “Produktivumgebung” bleibt weiterhin Kubuntu.

— kar · 21. Mai 2012, 13:12

Die Fensterdekoration abzuschaffen ist meiner Meinung nach eine gute Idee. Ist bei mir schon Jahre deaktiviert und wird nicht vermisst.

— Yggdrasil · 21. Mai 2012, 14:24

ganz toll,

windows8 hat eine neue grafische oberfläche. gut, sonst bleibt aber fast alles gleich. Man hat nicht ansatz weise soviele einstellungsmöglichkeiten wie bei fast jeder grafischen oberfläche von linux. Automatische updates von programmen gibt es auch (noch) nicht. mal ganz zu schweigen von dem sicherheitsproblem.

Das ms einen geheimen plan verfolgt ist lächerlich.

— · 21. Mai 2012, 14:59

Schöner Artikel!
Wenn ich mir die Kommentare so durchlese, habe ich das Gefühl manche Schreiber wissen nicht, dass das bzw. was Satire ist…

— siver · 21. Mai 2012, 15:24

@silver

ganz deiner meinung!
manche gehen wohl zum lachen in den keller… ;)

— eisbaer006 · 21. Mai 2012, 17:16

guter Artikel!
@Manu: VERGEI-HEIGT! :D

Ja, die Macher von Windows müssen sich auch fragen lassen wie lange wir noch diese völlig antiquierten und überflüssigen Mauspfeile benutzen sollen! Weg damit!


Initiative gegen Mauspfeile e.V.

— chnuddel · 21. Mai 2012, 17:41

Unbestätigten Gerüchten zufolge soll W9 dann ganz ohne grafische Benutzeroberfläche erscheinen, und so die Admins überzeugen. W10 kommt danach auf Basis von Suse 23 und W11 erscheint garnicht mehr, kostet dafür monatlich aber auch nur €42.- wegen Patentrechtsradikalen.

— Gill "dicke Eier" Batelomeus · 21. Mai 2012, 20:11

@silver: Wenns denn lustig waere, wuerde man auch lachen. Aber dieser Versuch ist einfach pathetic. Viel Spass beim Atze Schroeder gucken…

— · 21. Mai 2012, 20:45

gähn
Kommt dein Ghostwriter ausm Altersheim für Ex-Zuse-Z3-Bedienpersonal?

— Speedmetallochkarte · 22. Mai 2012, 00:18

Köstlich! Vielen Dank für diese tolle Satire, ich habe die Lektüre sehr genossen. Lass dich von Kommentaren wie »Gähn«, »Langweilig« oder »pathetic« (???) nicht verunsichern. Wer sich ein bisschen auf dieses Gedankenspiel einlässt, hat auf jeden Fall sehr viel Spaß. Ein schöner, witziger, einfallsreicher Blogeintrag!

Gerhard Großmann · 22. Mai 2012, 01:06

Laß dich nicht verunsichern von Leuten, die das witzig finden. Langweilig.

— Poni · 22. Mai 2012, 07:54

Aahhrgh, aaaaaaarhhhh, uuuuurgs………… öff

— Spaßbremsengekreuzigter · 22. Mai 2012, 13:42

Für manche fehlt wohl noch eine Satire off am Ende :-)

Ein Blogbeitrag, der wunderbar die Eigenheiten von Linux-Distros und Windows auf die Schippe nimmt.
Wen das ärgert, sollte sich bewusst machen, dass das wohl an dem großen Kern Wahrheit in diesem Artikel liegt.

Dem Autor sei jedenfalls gedankt für diese Vorführung :-)

— SilenceMessiah · 23. Mai 2012, 16:50

Sehr sehr guter Artikel!
Hast mir wieder einmal den Tag versüßt.

Schöne Grüße aus Kärnten ;)

— · 28. Mai 2012, 11:17

Nie und nimmer würde ich diesen Schritt machen von mein Gnome 3 zum Windows 8 zu wechseln ,ich bin zufrieden damit so wie es ist ,auch wenn nicht alles perfekt ist ,aber wer ist das schon…..;)

Ich habe meine Freiheit und bin nicht an MS und seinem Machtmonopol gebunden und daran wird sich auch nichts ändern.
Trotzdem danke für den Artikel netter Versuch.:D

— · 11. August 2012, 08:41

Windows als notwendiges Übel. Mir ist noch etwas aufgefallen. Einen neuen Drucker (Canon Selphy CP 900 – das Teil erschien NACH W8) bekommt man unter Windows 8 nicht zum Laufen. Da werde ich richtig melancholisch. Was waren das noch für Zeiten, als sowas unter Linux so war. :D

Aufwand um ein Produktivsystem auf Ubuntugnomebasis einzurichten: 1h

Das Gleiche mit Windows: 1 Tag

Das nenne ich mal einen gelungenen Zeitvertreib :D

— Mirko Krumbholz · 12. Februar 2014, 16:20

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